Steuerentlastungen und Kindergeld

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Politik ist Wähler bei Laune zu halten. Das geht am Besten mit Geld, so wie man ja eigentlich fast alles mit Geld bei Laune halten kann. Eine solche Maßnahme ist das „Gesetz zur Stärkung und steuerlichen Entlastung der Familien sowie zur Anpassung weiterer steuerlicher Regelungen“ kurz FamEntlastG. Auch wenn sich die Kurzform für den Sprachgebrauch ziemlich ungelenk präsentiert, ist sie doch der ausführlichen Bezeichnung vorzuziehen, denn man will ja auch irgendwann mal fertig werden mit einem Satz in dem das Gesetz Erwähnung findet. Das FamEntlastG - die Schreibweise mit den Großbuchstaben mitten im Wort nennt sich übrigens CamelCase - tritt mit einem höheren Kindergeld und Einkommensteuerentlastungen für Eltern in zwei Stufen in Kraft.

Ab Juli 2019 gibt es pauschal je Monat weitere 10,- € Kindergeld pro Kind. Das entspricht einer Erhöhung von ca. 5% und ist sicher hilfreich, gerade wo zur Zeit die Inflation über den Leitzins hinauswächst.

Die Steuerentlastung geht dann auch im Speziellen auf die Inflation ein und soll der kalten Progression entgegenwirken. Kalte Progression nennt man das Phänomen, das zu beobachten ist, wenn eine Lohnsteigerung durch die Steuermehrbelastung immer noch zu geringerem Realeinkommen führt. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Nettolohn bei einer Lohnsteigerung durch die höhere Steuerlast sinken kann. Wenn aber eine Lohnsteigerung zum Ausgleich der Inflation am Ende durch die höhere Steuerlast zusammen mit der Inflation den Verlust an Kaufkraft nicht ausgleichen kann sondern diese beständig sinkt, dann nennt man das kalte Progression.

Das FamEntlastG hat einige Entlastungen parat, um ausgleichend zu wirken: Der Kinderfreibetrag wird für der Veranlagungszeitraum 2019 auf insgesamt 4.950,- €/Jahr erhöht, der Betreuungsfreibetrag auf 2.640,- €. Für 2020 folgt eine weitere Erhöhung des Kinderfreibetrags auf 5.172,- €.

Weil auch Steuerzahler ohne Kinder unter der kalten Progression leiden, ist für den Grundfreibetrag vorgesehen, erst auf 9.168,- €, dann auf 9.408,- € zu steigen. Zum Vergleich: Zur Zeit liegt der Grundfreibetrag bei 9.000,- €. Kurz vor Einführung des Euros lag er bei 14.039,- DM und danach dementsprechend bei 7.235,- €. Nun kostete eine Pizza vor ca. 17 Jahren in etwa in DM, was sie heute in Euro kostet. Das bedeutet dann wohl, dass sich der Preis verdoppelt hat. Auch wenn Pizzen nicht repräsentativ für Inflationswerte stehen, so kann man doch sagen, dass sie ein recht passendes Stimmungsbild abgeben. 

An der Tatsache, dass nach der Euroeinführung zwar die meisten Dinge tatsächlich grob die Hälfte kosteten, heute aber viele Waren wieder den Stand von 2001 erreichen, nur eben in Euro, lässt sich gut die Entwicklung der Preisgestaltung erkennen - wie auch die Notwendigkeit des Ausgleichs. Und gleichzeitig lässt sich erkennen, das ggf. der Ausgleich nicht synchron läuft mit der Inflation. Es sind, gemessen am Pizzapreis, eher so 25%. Falls weiter oben im Text noch nicht so richtig klar geworden, worin die Ursachen für die kalte Progression liegen: Das ist eine davon.

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