Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätten bei Selbstständigen

Erstmal zum Kunden

Ein angestellter Mitarbeiter einer Firma kann für die Fahrt zwischen Arbeitsstätte und Wohnort bei seiner Steuererklärung nur die einfache Fahrstrecke anrechnen, während bei einer abweichenden Arbeitsstätte die tatsächlich gefahrene Strecke abgesetzt werden kann. Im Steuerdeutsch unterscheiden wir zwischen der Tätigkeitsstätte und der regelmäßigen Arbeitsstätte. Die Tätigkeitsstätte kann täglich wechseln, die regelmäßige Arbeitsstätte, also das, was wir vermutlich als Firmensitz bezeichnen würden, tut das in der Regel nicht. Deswegen wird sie als „regelmäßig“ beschrieben. 

Das Finanzamt war bisher der Auffassung, dass ein Selbstständiger aus irgendwelchen Gründen seinen Firmensitz immer auch mit zur Tätigkeitsstätte nimmt. Ein Maler, der zu seinen Kunden fährt, fährt also in der Wirklichkeit des Finanzamts von regelmäßiger Arbeitsstätte zu regelmäßiger Arbeitsstätte, oder wie wir es ausdrücken würden: Von Firmensitz zu Firmensitz. 

Wenn auch nicht im Fall eines Malers, so ist diese Praxis des Finanzamts dennoch in einem Verfahren vor dem Finanzgericht auf die Probe gestellt worden. Auch dem Finanzgericht schien die Logik, dass Selbstständige viele, viele Firmensitze haben können, nicht plausibel und entschied eine Gleichbehandlung von Selbstständigen und Arbeitnehmern in Bezug auf Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätten.

Nun hatte es sicher seinen Grund, dass das Finanzamt sich gegen diese Gleichbehandlung gewehrt hat. Wenn nämlich der Maler zuerst zum Kunden fährt, bevor er seine Firma aufsucht, hat er die nur einfache Geltung von Wohnung-Arbeitsstätte-Fahrten umgangen. Während Mitarbeiter eher selten die Freiheit haben dürften, direkt zur Tätigkeitsstätte zu fahren, ist das für Selbstständige weder unwahrscheinlich noch unglaubwürdig. Da wäre es aus Sicht des Finanzamts natürlich schön, wenn Fahrten, an deren einem Ende der Wohnort liegt, die sonst übliche einfache Wegberechnung bedeuten würden. Aber das gibt der Gesetzestext eben nicht her, deswegen scheint das Urteil des Finanzgerichts recht logisch.

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