Arbeitnehmer vermietet sein Homeoffice an seinen Arbeitgeber

Liegt da noch ein Zimmer rum?

Im Rahmen der Nettolohnoptimierung läuft die Fantasie gerne ein paar Extrameilen. Eine solche Extrameile ist der Gedanke, dass Miete nicht so steuer- und sozialabgabenbelastet ist, wie der Arbeitslohn. Das legt die Idee nahe, dem Arbeitgeber ganz offiziell das eigene Haus oder wenigstens ein Zimmer darin als Homeoffice zu vermieten, damit der es wiederum als Arbeitsplatz zur Verfügung stellen kann. Ein großartiger Gedanke, der auch die Haushaltsplanung des Arbeitnehmers angenehm vereinfacht, weil ja die Miete bereits als mehr oder weniger bezahlt gelten kann. Hat man also daheim noch ein Zimmer rumliegen, dass sich als Homeoffice eignen könnte, locken dramatische Steuerersparnisse.

Nun hat es zu der Frage der Legalität eines solchen Arrangements gleich mehrere juristische Auseinandersetzungen gegeben. In einer Rundmail vom 18. April diesen Jahres hat das Bundesministerium der Finanzen nun zum Ausgang dieser Verfahren Stellung genommen. Das traurige Ergebnis ist, dass Finanzämter gerne wissen möchten, ob diese Vermietung von Wohnraum an den Arbeitgeber denn auch in dessen Interesse ist oder ob eigentlich nur sein Angestellter davon profitiert und in Wirklichkeit auf die ganz erheblichen Steuervorteile aus ist. 

Zulässig wäre so ein Arrangement, wenn der Arbeitgeber nicht in der Lage wäre einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen und es auch keine anderen Angebote für eine Arbeitsplatzmiete gäbe. So ein Fall läge zum Beispiel vor, wenn ein Lübecker Unternehmen einen Mitarbeiter auf Wangerooge mit der Beobachtung des Wangeroog‘schen Vogelzugs beschäftigen würde, der ganz zufällig Besitzer eines in den Dünen der Insel gelegenen Eigenheimes mit Aussichtszimmer wäre. Hier würde wohl auch dem Finanzamt einleuchten, dass das Mieten des als Aussichtszimmer bezeichneten Raumes in des Mitarbeiters Dünenhaus als Homeoffice durchaus im Interesse des Arbeitgebers sein könnte. Es geht aber auch einfacher, wenn nämlich der Arbeitnehmer Räume sein eigen nennt, die baulich besser geeignet sind als alle Alternativen, Unternehmensräume des Arbeitgebers eingeschlossen. Außerdem darf natürlich mit der Vermietung kein Gewinn erzielt werden.

Das Finanzamt wertet bereits leise Zweifel an der Notwendigkeit der Überlassung von Räumen durch den Angestellten als Indiz für die Erschleichung von Steuervorteilen und ist dann kaum noch kompromissbereit. Wirklichen Frieden findet man hier als Arbeitnehmer nur, wenn es kein hinkonstruierter Fall von „Homeoffice“ ist, sondern ganz ernsthaft keine Alternativen bestehen. Ansonsten wird der Mietzins als Arbeitslohn bewertet.

Ist aber die Überlassung gerechtfertigt, können die Aufwendungen für den Raum als Werbungskosten von den Einkünften aus Vermietung abgezogen werden.

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