1%-Regelung versus Sachgerechte Schätzung

1% auf unser liebstes Spielzeug

Vermutlich ist nur Amerikanern ihr Auto noch wichtiger als uns. Das würde erklären, warum sie es sogar mit auf den Mond nehmen. 

Was für das Lunar Mobil (LRV) gilt, gilt auch für viele terrestrische Fahrzeuge: Es sind Dienstfahrzeuge. Hier auf der Erde lassen die sich zudem privat nutzen, was sich auf dem Mond aus Mangel an lohnenswerten Ausflugszielen, wie z.B. Bars oder Cafés, nicht anbietet. Das gleiche gilt übrigens für die Area 51, sei für diejenigen angemerkt, denen Zweifel am Schauplatz der Mondlandung angebracht erscheinen. 
Das Finanzamt schaut jedoch genau hin, wenn es um die private Nutzung von Autos geht. Es möchte auf jeden Fall vermeiden, einen privat gefahrenen Kilometer steuerlich zu begünstigen. Zu unterscheiden sind grundsätzlich 3 Arten der Fahrzeugnutzung: Private Fahrten, Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsplatz und Dienstfahrten.
Eine Dienstfahrt ist jede Fahrt an deren Anfang oder Ende eine arbeitsbezogene Adresse steht, abgesehen natürlich vom eigenen Büro. Das kann ein Kundenbesuch, eine Einkaufsfahrt oder auch eine Fahrt zum Strand zum Anlass haben, wenn damit eine geschäftliche Aktivität verbunden ist.
Eine Fahrt zwischen Wohnort und Arbeitsstätte beginnt an einem der beiden Punkte und endet an dem jeweils anderen Punkt. Keine Abweichungen, keine Umwege.
Der ganze Rest ist privat.
Falls Sie gerne jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit geschäftlich bei einem Kunden vorbeifahren, ist das eine Dienstfahrt, die allerdings möglicherweise mit einem Prüfer zu diskutieren sein würde. Jedenfalls entfiele so der Weg von Wohnung zu Arbeitsstätte und würde durch zwei Dienstfahrten ersetzt.
Um die jeweiligen Anteile der Nutzung auseinander zu halten, lässt sich ein Fahrtenbuch führen. Leider entsprechen in der Regel weder Lenkrad noch Armaturenbrett den ergonomischen Erfordernissen für Büroarbeiten und behindern so die volle Entfaltung der ansonsten grenzenlosen Freude beim Eintragen von Kilometern und Zeiten. Weil Prüfer zudem häufig hohe Ansprüche an die Leserlichkeit der Eintragungen stellen, eignet sich dieses Verfahren nicht für jeden. Hier bietet sich die vom Finanzamt ohnehin bevorzugte 1%-Regelung an. Eigentlich allgemein bekannt soll sie hier doch kurz erläutert werden: 1% des Neuwagen-Brutto-Listenpreises werden jeden Monat als eine Art geldwerter Vorteil zum Gehalt dazugerechnet und entsprechend versteuert. Sollten die tatsächlichen Kosten des Fahrzeugs darunter bleiben, würde der zu versteuernde Privatanteil auf diese Summe begrenzt, was man als Kostendeckelung bezeichnet. Das ist oft der Fall, wenn das Fahrzeug bereits abgeschrieben ist und laufende Kosten nicht sehr hoch sind. Sind die Kosten aber gedeckelt, ergibt sich automatisch, dass ein Steuervorteil ohnehin entfällt, denn man versteuert ja schon alle Fahrzeugkosten und aus der 1%-Regelung wird eine 100%-privat Regelung. 
1% ist also eher für Fahrzeuge geeignet, die noch nicht abgeschrieben sind oder Oldtimer, deren Neupreis relativ niedrig ist, die aber hohe Unterhaltskosten erzeugen.
Die 1%-Regelung darf übrigens nur bei überwiegend dienstlicher Nutzung des Fahrzeugs angewendet werden. Allerdings wird selten ein Nachweis verlangt.
Wenn das Fahrzeug bereits abgeschrieben ist und ein Fahrtenbuch auch nicht in Frage kommt, bietet sich noch die sachgerechte Schätzung an. Mit Sicherheit kann man sagen, dass im Fall einer Prüfung die sachgerechte Schätzung ein Gesprächsthema sein wird, solange die Schätzung nicht von 100%iger Privatnutzung ausgeht. Man sollte aber folgendes in Betracht ziehen: Würde eine 1%-Regelung zu akzeptieren sein, müsste der Prüfer auch eine maximal 49%ige Privatnutzung anerkennen, denn sie ist die Definition für die 1%-Regelung. Gegenüber dem Fall der Kostendeckelung ergäbe das eine gute Halbierung der zu versteuernden Kosten und so bietet sich die sachgerechte Schätzung für Fahrzeuge an, die bereits abgeschrieben sind und hinter dem Volant keinen Minischreibtisch versteckt haben.

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