Umsatzsteuer in der EU

Umsatzsteuer wird grundsätzlich in dem Land abgeführt, in dem die Leistung vom Endverbraucher oder Endabnehmer genutzt wird. Das gilt natürlich auch innerhalb der EU.

Die umsatzsteuerlichen Verfahren zwischen zwei Geschäftspartnern sind umfangreich geregelt und seit Jahren unverändert. Anders ist das für der Verkauf durch ein Unternehmen an Privatpersonen, also dem ganz normalen Handel. Nicht nur hat jedes Land eigene Umsatzsteuersätze, es gab in der Vergangenheit auch für jedes Land eigene Lieferschwellen, auf die wir gleich noch einmal zurückkommen.

Der unterschiedliche Umgang mit der Umsatzsteuer ist schon immer ein kleines Abenteuer gewesen. In den USA kann man noch immer davon überrascht werden, dass ein Produkt an der Kasse teurer ist, als im Regal - dort wird allerdings auch der Service im Restaurant separat auf die Speisekosten aufgerechnet. Wer einmal aus Langeweile beim Bügeln seiner Unterhosen oder dem Schneiden von Zwiebeln nebenher im Shopping-Kanal dem Verkauf von Perlenketten und unzerstörbaren Küchenmessersets beigewohnt hat, erinnert sich sicher an die unterschiedlichen Preise für Deutschland (19% MwSt), Österreich (20% MwSt) und die Schweiz (7,7% MwSt). Der Verkäufer - meistens wohl der Sender selbst - muss diese Umsatzsteuer jeweils an das Empfängerland ausweisen und abführen.

Im Onlinehandel wird dieser Unterschied nicht so offensichtlich, denn beim Öffnen der Website ist das Empfängerland ja schon bekannt, deswegen kann gleich der passende Preis ausgegeben werden.

Neben der allgemeinen Umsatzsteuer gibt es die schon erwähnte Lieferschwelle. Abweichend vom Grundprinzip, dass die Umsatzsteuer immer im Empfängerland zu zahlen ist, verbleibt unterhalb der Lieferschwelle die Umsatzsteuer beim Standort des Verkäufers. Diese Lieferschwelle lag in der Vergangenheit zwischen 35.000,- und 100.000,- €. So könnte ein Schwede, der normalerweise unter einem Umsatzsteuersatz von 25% zu leiden hat, in der Schweiz von einem kleinen Unternehmen, dass im Jahr Ware nur für ca. 30.000,- € an schwedische Kunden verkauft, zum Umsatzsteuersatz von schweizerischen 7,7% Waren kaufen. Bei einer Rolex fiele das wohl schon ins Gewicht. Schwierig wird natürlich, wenn der Verkäufer in der Schweiz nun auf den letzten Metern doch noch die Lieferschwelle überschreitet. Dann müsste er, gänzlich aus eigener Tasche, doch noch die 25% Umsatzsteuer an das schwedische Finanzamt abführen.

Diese etwas unübersichtliche Situation findet nun ein jähes und, wie wir meinen, glückliches Ende. Statt für jedes Land eine individuelle Lieferschwelle auszuloben, gilt ab Juli 2021 eine EU-weite Umsatzschwelle von 10.000,- €. Auf den ersten Blick fällt auf, dass mit etwas Pech zwar die Umsatzschwelle überschritten, aus einem der Länder aber nur eine Bestellung kommt, für die sich dann der Verkäufer in dem betreffenden Land für die Umsatzsteueranmeldung registrieren muss. Das zu verhindern ist mit dem OSS (One Stop Shop) möglich. Mehr dazu im Artikel Umsatzsteueranmeldung bei Geschäften in der EU.

Zusammen mit dem OSS vereinfacht sich das Anmelden und Abführen der Umsatzsteuer erheblich und mit der niedrigen Umsatzschwelle wird das Preisgefüge innerhalb der EU trotz verschiedener Umsatssteuersätze ausgewogener. 

Was auch die neue Regelung nicht kann, ist den Verkäufer von der Notwendigkeit einer individuellen Preisgestaltung in Abhängigkeit von der jeweils gültigen Umsatzsteuer zu befreien.

Die Versteuerung der Umsatzsteuer z.B. über den OSS für das jeweilige Empfängerland ist Pflicht, wenn der Vorjahres-EU-Umsatz 10.000,- € überschreitet oder im aktuellen Jahr voraussichtlich überschreiten wird, kann aber auch darunter freiwillig genutzt werden.

Ganz unauffällig entsteht hier ein Stolperstein, der zwar nicht groß aussieht, aber eine harte Landung provozieren kann und deshalb mit einem BITTE MERKEN kurz erläutert werden soll:

Grundsätzlich sind wir ja gewohnt eine Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer an den Empfänger zu versenden, sobald eine Umsatzsteuerpflicht besteht. Das kann bei einem Versand im Inland Pflicht sein - im Europäischen Ausland ist es das nicht, was für unsere Betrachtung wichtig ist. Es gibt 2 Szenarien, die hier kritisch sind.

  1. Ein Kunde kauft in einem Onlineshop mit automatisierter Rechnungserstellung und bekommt eine Rechnung mit ausgewiesener MwSt. von z.B. 19% nach deutschem Umsatzsteuersatz. Sobald die Umsatzschwelle überschritten ist, muss aber auch die Umsatzsteuer im Empfängerland abgeführt werden. Nun sind plötzlich die Umsatzsteueransprüche zweier Länder vom Verkäufer zu erfüllen.
  2. Ein Verkäufer geht davon aus, dass er die Umsatzschwelle nicht erreicht und weist die deutsche MwSt. aus, wird dann aber vom Erfolg eingeholt und muss ebenfalls die Umsatzsteuer im eigenen und im Empfängerland abführen.

Sicherer und auch sachlich korrekt ist: Keine Umsatzsteuer bei Verkäufen an Privatpersonen im EU-Ausland ausweisen!

Umsatzsteueranmeldung bei Geschäften in der EU
Umsatzsteueranmeldung bei Geschäften in der EU