Eine künstliche Befruchtung kann eine außergewöhnliche Belastung sein

Spontan möchte man zustimmen, insbesondere wenn man an die Folgen denkt. Windeln, Geschrei, schlaflose Nächte, … Pubertät. Aber wir sprechen hier ja über Steuern, und da ist eine außergewöhnliche Belastung ein Grund für Steuerentlastungen; konkret bedeutet das, dass die Kosten einer außergewöhnlichen Belastung abzugsfähig sind.

Grundsätzlich wird eine künstliche Befruchtung vom Finanzamt nicht als belastend angesehen. Als Alternative zum Sex als Startpunkt für die Familiengründung ist erst einmal keine medizinische Indikation gegeben und so natürlich auch kein Grund, die Abstinenz als steuerabzugsfähig einzuschätzen (noch werden die Regeln eben von Männern gemacht). Sollte aber in einer Partnerschaft eine Schwangerschaft aus medizinischen Gründen, gleich ob nun beim Mann oder bei der Frau nach der Ursache zu suchen ist, nicht möglich sein, ist die medizinische Indikation gegeben. So ist diese Belastung nicht nur steuerlich als außergewöhnlich einzustufen, sondern in der Regel auch die Krankenkasse in der Pflicht finanziell beizustehen. Einschränkend sollte erwähnt werden, dass das Finanzgericht in Brandenburg hier eine Altersgrenze zieht. Frauen, die älter als 40 sind, werden als grundsätzlich unfruchtbar betrachtet, so dass die künstliche Befruchtung eher den Normalfall darstellt und seinen Außergewöhnlichkeitsstatus verliert. Das Finanzgericht in München kann dem nicht folgen und zieht vernünftigerweise keine Altersgrenze.

Wer also neben der außergewöhnlichen Belastung einer künstlichen Befruchtung und seiner Folgen die Glücksmomente, die sich parallel dazu ergeben, erleben möchte, sollte ab dem 40. Lebensjahr lieber in Bayern als in Brandenburg leben. Aber das ist vermutlich auch ohne Pläne für eine künstliche Befruchtung zu empfehlen.

Übungsleiter und Ehrenämter
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