27. December 2013

Das Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz

Ist die Steuernomenklatur nicht ein unterhaltsames Stück Amtspoesie? Doch das darf nicht über die Ernsthaftigkeit amtsseitig erdachter Terminologien hinwegtäuschen! Nein, hier geht es ernst zu!
Und das bedeutet zum Beispiel, dass man seit Inkrafttreten des neuen Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetzes am 30. Juni nicht einfach Gutschrift auf eine Gutschrift schreiben darf. Warum? Nun, das Gesetz bestimmt: Eine Gutschrift ist so etwas wie eine negative Rechnung. Sie darf auf keinen Fall eine falsche Rechnungsstellung korrigieren oder ein Kompensationsgeschäft beschreiben. Möchten Sie eine Provision zahlen und den Empfänger dafür nicht um eine Rechnung bitten, dann ist die Gutschrift das Mittel der Wahl. Alles andere ist eine Rechnungskorrektur oder Stornorechnung.
Das z.B. zwischen Bauunternehmen übliche Verfahren des Überganges der Steuerschuldnerschaft – hier wird eine Rechnung ohne ausgewiesene Umsatzsteuer gestellt, weil diese am Ende vom Leistungsempfänger beglichen wird – darf diese nur noch mit dem Hinweis auf „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ klassifiziert werden. Ähnlich restriktiv ist das Gesetz bei der Differenzbesteuerung.
Im Kontext mit diesen die Nomenklatur definierenden Neuerungen entsteht natürlich ein Handlungsbedarf gewisse Aufräumarbeiten in den Masken der Buchhaltungssoftware betreffend. Viele Unternehmen sind betroffen und während die einen sich gewissenhaft ans Werk gemacht haben alles schön aufzuräumen, bennenungstechnisch, haben die anderen mal nachgefragt und dann vom Bundesfinanzministerium Folgendes erfahren: Alles nicht so schlimm. Eine Stornorechnung wird auch noch als Stornorechnung akzeptiert wenn Gutschrift draufsteht und wenn ein Brite mal eine Rechnung stellt, auf der statt „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ „Reverse Charge System“ steht, er ist ja Brite, dann geht das auch in Ordnung.
Klingt generös, andererseits ist im Gesetzestext ohnehin keine Konsequenz definiert, die den die Amtssprache missbrauchenden Ignoranten mit Sanktionen droht. Das gibt dem Gesetz also dadurch eher den Charakter einer Richtilinie. Und jetzt fällt auch auf, dass es schon im Namen steht: Amtshilferichtlinie… Das Wort „Richtlinie“ ist ganz im ganzheitlichen Charme des Begriffes versunken.
Bei allen Gedanken, die den Sinn dieses Gesetzes zu ergründen suchen, es schadet ja nicht, zur Sicherheit die gewünschte Nomenklatur zu befolgen. Wir achten sowieso schon für Sie darauf.

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