Micro Economy

09. October 2012

Micro macht groß

Micro bedeutet klein. Eigentlich sogar winzig. Ein Micrometer entspricht 0,1 Millimeter.
Unternehmen, die so klein sind, also Kleinstbetriebe, gehören unterstützt finden wir. Und das findet auch das Europäische Parlament. Deswegen hat der Rat des Parlaments zum Thema Jahresabschluss von Unternehmen die EU-Micro-Richtlinie formuliert.
Die nationale Umsetzung dieser Richtlinie wird durch das MicroBilG, das Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz, geregelt.
Damit sich beim Lesen nirgendwo Knoten bilden, nennen wir es einfach weiterhin die Micro-Richtlinie.

Grundsätzlich sieht die Micro-Richtlinie vor, dass Kapitalgesellschaften, die kleinere Umsätze haben, von einem im Verhältnis zum Jahresumsatz nicht angemessenen Aufwand zum Erstellen des Jahresabschlusses befreit werden. Natürlich gibt es hier Einschränkungen, aber soviel kann vorab schon einmal gesagt werden: der Ansatz bietet gute Chancen für kleine Unternehmen, die wegen fehlender Umsätze als Personengesellschaft geführt werden, sich umzufirmieren.
Die magische Grenze liegt bei einer Bilanzsumme von max. 350.000,- €, Nettoumsätzerlösen von max. 750.000,- € und nicht mehr als durchschnittlich 10 Mitarbeitern. Hält ein Unternehmen diese Größen über mindestens 2 Jahre ein, gilt es nach der Micro-Richtlinie als Kleinstunternehmen und ist von erheblichen Bilanzierungslasten befreit. So reicht zum Beispiel die Einnahme-Überschuss-Rechnung anstelle der doppelten Buchführung. Der Jahresabschluss darf mit einer verkürzten Bilanz abgegeben werden und die Veröffentlichung beschränkt sich auf die Zurverfügungstellung des Jahresabschlusses über ein Register. Das Register stellt den Jahresabschluss – und auch nur den – dann auf Anfrage zur Verfügung.
Kapitalmarktorientierte Unternehmen, also Unternehmen die börsennotiert sind, bleiben von dieser Regelung ausgenommen.

Der große Vorteil dieser Regelung liegt darin, dass Unternehmen ihre Entscheidung, ob sie ihr Geschäft als Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft betreiben möchten, weniger von den Kolateralkosten einer Kapitalgesellschaft abhängig machen müssen, sondern von der sinnvollen Erwägung praktischer Argumente. Dort, wo trotz geringer Größe des Unternehmens, nicht unerhebliche finanzielle Risiken die Unternehmer bedrohen, kann eine Haftungsbeschränkung im Rahmen einer Kapitalgesellschaft ein solches Argument sein. Auch die Außendarstellung mag ein wichtiges Argument sein, stand vorher aber im Schatten erheblicher Verwaltungskosten.
In Kombination mit dem Pendant der Limited, der UG, lässt sich eine Unternehmensgröße auch in Richtung „micro“ oder sogar „nano“ fast unbegrenzt anpassen. Eine UG – Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt – ist der Vorläufer der GmbH. Die Gründung ist mit einer Einlage ab 1,- € möglich. Rechtlich ist die UG prinzipiell mit der GmbH identisch, die Haftungshöhe ist jedoch geringer. Zur Absicherung ist es Pflicht, 25% des Jahresgewinns als Einlage zum Stammkapital zurückzulegen. Diese Pflicht bleibt bestehen, bis ein Mindestbetrag von 25.000,- € und damit die reguläre Einlagehöhe der GmbH erreicht ist. Eine Umfirmierung ist einfach. Die UG erfüllt bereits alle Voraussetzungen für eine GmbH.

Bei aller Freiheit sollte man dennoch seine Argumente sorgfältig sammeln und betrachten. Eine doppelte Buchführung ist im Dialog mit Banken ein Qualitätsmerkmal, das den Unterschied zwischen Kredit und kein Kredit ergeben kann. Das gilt noch mehr für die Nutzung der Einlagegrenzen einer UG. Genau wie bei einer Limited wird sich ein Vertragspartner, gleich ob eine Bank oder ein Zulieferer, genau die Haftungsgrenze ansehen, bevor es zu möglichen Abschlüssen kommt. Pauschal gesagt: Mit einer 1,- € UG wird man in vielen Branchen nur schwer ins Geschäft kommen. Dennoch, wenn Sie ein Jungunternehmer sind, dessen Kraft die Phantasie und nicht das Bankkonto ist, mag auch eine „kleine“ UG der perfekte Einstieg in eine hoffentlich erfolgreiche Firmengeschichte sein.

Die Micro-Richtlinie tritt für Abschlüsse in Kraft, die gemäß ihres Abschlussstichtages nach dem 30. Dez. 2012 liegen. Kleinstbetriebe, die mit ihrem Geschäftsjahr im Kalenderjahr liegen, dürfen also bereits ihren Abschluss für 2012 nach der Micro-Richtlinie abgeben.

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