Kassensysteme bekommen weitere Regeln

12. May 2017

Bargeld lacht

Registrierkassen wurden vor etwas mehr als einem Jahrhundert erfunden. Damals wurden sie eingesetzt, um zu verhindern, dass Mitarbeiter ihre Taschen mit regelmäßigen Privatentnahmen füllten. Die alten Kassen waren Wunderwerke der Mechanik und schmückten, häufig reich verziert, über Jahrzehnte die Verkaufstresen. Ihre Zahnräder, Schnappfallen und Glöckchen spielten beim fleißigen Addieren das Lied des Wohlstands – Pink Floyd widmete dem Sound der Registrierkasse in dem Song „Money“ sogar ein eigenes Intro.
Inzwischen sind Registrierkassen eher Computer mit einer Geldschublade unten dran. Und jedes Mal, wenn sich so eine Lade öffnet, ahnt die Finanzbehörde einen ganz schlimmen Steuerbetrug. Ihr wäre es wohl recht, wenn man sie einfach zuschweißen würde, so wie es Ferdinand Piëch einst gerne mit den Motorhauben seiner Autos getan hätte.
Die Pecuniaphobie der Finanzbehörde entwickelt sich deutlich progressiv. Gerade haben wir noch an genau dieser Stelle einen Beitrag zum Thema Registrierkassen veröffentlicht, da gibt es schon wieder Neuigkeiten – leider ohne jeden therapeutischen Ansatz.
Natürlich: Bargeld lässt sich schwer verfolgen und das macht jeden, der es benutzt, verdächtig, über seinen Einsatz nicht ordentlich Buch zu führen. Inzwischen denken wir aber kaum noch darüber nach, wie beleidigend es ist, jedem Geschäftsmann, der seine Leistung auch gegen Bares verkauft, zu teuren und aufwändigen Selbstkontrollen zu zwingen, die im Grunde den Betrug unterstellen. Es ähnelt ein wenig dem Prinzip von Sicherheitskontrollen an Flughäfen, die sich ihren Argwohn und gelegentliche Unhöflichkeit vom Fluggast selbst bezahlen lassen. Es ergibt sich zwar kein Gewinn aus einer ethischen Diskussion über gesellschaftliche Werte wenn es um staatliche oder sicherheitliche Themen geht, man sollte sich dennoch der kurzen Reflektion der Verhältnisse nicht versperren und einen gelegentlichen Abgleich mit unserem gesellschaftlichen Wertesystem wagen.
Das ändert dann natürlich trotzdem nichts daran, dass sowohl die Sicherheit als auch die Gerechtigkeit des Steuersystems Vorrang vor gesellschaftlichen Idealen haben. Letztlich führt ja auch nur deren Verletzung zu den teils drakonischen Maßnahmen, die wir über die Zeit in zunehmender Form erleben. Die Registrierkasse wird mehr und mehr zu so einem Erlebnis.
Wir haben uns gefragt, wie wir es trotz allem schaffen, hier gesellschaftliche Notwendigkeiten und gesellschaftliche Ideale miteinander zu verbinden.
Paradoxerweise hat es geholfen, dass die Finanzbehörde in manchen Punkten völlig die Bodenhaftung verloren hat. Wir möchten mit der verheerendsten und gleichzeitig wundervollsten Regel beginnen:
Jeder Bargeld-Transaktion ist der Name des Kunden hinzuzufügen. Aus praktischen Erwägungen gibt es Ausnahmen, nämlich dann, wenn eine Vielzahl von weitgehend unbekannten Kunden Waren kaufen. Das dürfte für Supermärkte, Bäckereien und ähnliche gelten. Unternehmen dieser Art dürfen eine Ausnahmegenehmigung beantragen.
Allen anderen obliegt die Pflicht den Namen des Kunden in Verbindung mit der Einnahme zu notieren.
Ein veröffentlichtes Beispiel ist der Friseur. Der muss seinen Einnahmen auf jeden Fall auch den Namen der Kunden hinzufügen. Der Friseur wird die Namen von Menschen, in deren Haare er seine Hände steckt, natürlich wissen, und so ist dieses Beispiel geschickt gewählt, weil es kaum die ganze Tragweite der Regel darstellt. Was aber, wenn wir im Restaurant sitzen? Sicher, in der Schiffergesellschaft ist die launige Frage nach dem Namen im Zuge der Rechnungsstellung sicher nicht problematisch. Aber bei McDonalds? Jeder, der nicht am DriveIn vorfährt, um dann später auf der Autobahn Burgersoße auf Hose und Sitzen zu verteilen – manche verteilen auch die Verpackungen im Auto, wie wir kürzlich sahen – muss seinen Namen nennen. Das ist wenigstens ungewohnt, hat aber Potential, wie wir nach einer kurzen Gedankenreise in diese Zukunft sehen werden, denn: Wir lernen uns kennen. Wildfremde Menschen werden zu Bekannten, einfach so. Wir sollten begeistert jubeln und „Danke“ sagen für diese schöne Regel. Wir sollten unsere jubeligste Kleidung überstreifen und jeden Käufer einer Dienstleistung freudig umarmen, jetzt wo wir spätestens beim Bezahlen seinen Namen erfahren werden. Überall an den Kassen werden sich Mensch kennenlernen und unser Land wird eine ganz neue wundervolle Gemeinschaft erleben. Nachbarn lernen sich beim Shopping kennen, aus Kunden werden plötzlich Bekannte. Wer jetzt Bar zahlt, reißt die Mauern der Anonymität ein und der Terminus: „Bargeld lacht!“ bekommt eine ganz neue und viel sympathischere Bedeutung. Die Zukunft ist gerettet und Menschen vom Typ Trump, Wilders und le Pen können uns nicht mehr entzweien.
Nun stellt sich noch die Frage, ob wir uns mit der Vorfreude auf viele neue Bekanntschaften wirklich noch den Kehrseiten widmen möchten – andererseits: Wann, wenn nicht mit so guter Laune kann man auch ein paar Wermutstropfen ertragen? Also, hier ist sie, die bittere Medizin zum fröhlichen Miteinander:
Wer schon mal eine Kasse gesehen hat, weiß dass sie meist ein Zahlenfeld haben, manchmal auch Tasten mit Bildern von Cheeseburgern, großen und kleinen Pommes und welche für drei verschieden Größen Coke, selten aber eine Möglichkeit der Namenseingabe. „Wie soll das denn gehen?“, möchten wir wissen. Vielleicht lassen sich Kassen nachrüsten, vielleicht bieten sie entweder ein Menü mit allen bekannten Namen zur Auswahl an – viel Spaß beim Heraussuchen – oder der Name kann über den Ziffernblock eingegeben werden, was den Umsatz wegen des Zeitaufwands halbieren dürfte.
Und was wenn der Kunde es so macht wie der Autor dieses Artikels, der auf die unhöfliche Frage nach der Postleitzahl beim Media Markt immer eine falsche angibt? Soll der Name im Pass nachgesehen werden? Und falls das nicht geht und dann der Name nicht stimmt, wer ist verantwortlich?
Vermutlich wird alles nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird, was schon durch den Aufwand beim Kassieren garantiert wird, der die Kellner am Servieren hindert. Die Antwort auf die Frage nach dem „Wie“ wäre trotzdem interessant.
Eine weitere Änderung ist die Bonpflicht. In Italien gibt es sie bereits und der Kunde ist erst nach dem Verlassen des Geschäfts, Sicherheitsabstand von 10m inklusive, berechtigt den Bon wegzuschmeißen. Ob auf den Boden oder akkurat in den Müll ist zumindest im Steuergesetz nicht näher verankert.
Unser Finanzamt sieht so eine Regel nicht vor, die Übergabe aber schon. Unser Tipp: Der Bon lässt sich hervorragend als Instrument zur Kundenbindung nutzen. Einfach ein paar Herzchen und den Spruch des Tages mit draufdrucken und falls ein Kunde mal den Laden ohne Bon verlässt, flitzt man einfach hinterher. Kennt man auch von ähnlichen Situationen, in denen der Kunde nicht nur den Bon vergessen hat…

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