Einfluss der Einkommensteuer auf Lieferungen in das EU-Ausland

18. December 2017

Online ins Minus

Der Umsatz im Online-Handel wächst kontinuierlich. 2012 waren es noch knapp 25 Mrd. €, die online umgesetzt wurden, dieses Jahr werden es 73 Mrd. € werden. Ein Wachstum um fast 300 % in nur 5 Jahren ist mindestens beachtenswert. Und es inspiriert, den Zusammenhang zwischen unserem Leben, Globalisierung und Chancengleichheit zu beleuchten.

Gerade der Online-Handel ist prädestiniert für Lieferungen auch außerhalb Deutschlands. Je nach Land gibt es jedoch eine sog. Lieferschwelle. Das ist die Höhe des Umsatzes, den man über die Grenze hinweg ohne umsatzsteuerliche Konsequenzen liefern darf. Oberhalb dieser Grenze muss die gesamte Liefermenge im Bestimmungsland, also dem Land, in das man die ganze Ware geliefert hat, umsatzversteuert werden. Die Regeln der EU legen fest, dass Länder diese Lieferschwelle nicht unter 35tsd €/Jahr senken dürfen. Bleibt der Umsatz unterhalb dieser Grenze, wird im Bestimmungsland keine Umsatzsteuer erhoben. Darüber aber schon, was bedeutet, man braucht einen Steuerberater vor Ort und muss sich natürlich auch beim Finanzamt des jeweiligen Landes registrieren. Nun gibt es Länder, die die Lieferschwelle mit 100tsd.€ beziffern und darin kann man schon eine Menge Ware unterbringen. Wer mehr Umsatz im Bestimmungsland macht, dem ist in vielleicht zuzumuten, sich auch um Steuerkram zu kümmern.
Kleine Unternehmen aber nutzen häufig Online-Versandhäuser, wie zum Beispiel Amazon oder Monoqui. Amazon bietet dem Händler eine Reihe von Services, so zum Beispiel Lagerung, Verpackung und Versand. Und es ist sinnvoll das zu nutzen, dann muss man es nämlich nicht selbst machen. Dabei ist Amazon so gut, dass sie sogar die Lieferzeiten für die Kunden des Händlers optimieren. Dort weiß man schon vorher, wer was kauft. Also verteilen die schon mal die Ware des Unternehmers auf verschiedene Länder, damit im Fall der Bestellung die Lieferung schön flott geht.
An dieser Stelle eine kurze Zwischenbetrachtung: Frankreich hat eine Mehrwertsteuer von 25% und der Online-Handel ist ein hartes Business. Die unmittelbare Vergleichbarkeit von Waren eliminiert große Margen. Gewinn ergibt sich eher über große Mengen. Wer aber seine Marge auf der Basis von 19% Umsatzsteuer schön schlank rechnet, zahlt bei 25% schnell drauf.
Zurück zum Serviceschlaraffenland von Amazon und anderen Online-Versandhäusern: Die durch gute Logistik schon im Bestimmungsland gelagerte Ware wird bei einer Bestellung ja nun auch aus dem Bestimmungsland geliefert. Damit muss auch die Umsatzsteuer im selben Land erhoben werden, die Lieferschwelle gilt hier nicht mehr. In Frankreich wären das besagte 25%. Wie sich die Ware über Europa verteilt, ist vorab schwer kalkulierbar. Klar ist aber, dass in jedem Land, in dem auf diese Weise vielleicht auch nur ein Produkt geliefert wurde, eine Umsatzsteuererklärung ausgefüllt, Umsatzsteuer abgeführt und das Unternehmen für die Umsatzsteuer registriert werden muss. All das setzt viel Wissen voraus. In Großbritannien zum Beispiel ist die Höhe der Umsatzsteuer auf Kleidung von der Höhe der Person abhängig, der die Kleidung passen soll. Das ist in einem Maß skurril, dass man es kaum ernst nehmen kann. Sollte man aber.

In einer Zeit, in der Menschen, die gegen Globalisierung wettern, sich gleichzeitig neue Küchengeräte oder den neuen Fernseher im Internet bestellen, lohnt sich ein Blick auf Paradoxien unserer Gesellschaft. In der Überforderung, die durch zunehmend komplizierte Zusammenhänge erzeugt wird, wünschen wir uns manchmal mehr Abgrenzung, um wieder mehr Ruhe in unser Leben zu bekommen. Wir mögen die Überschaubarkeit technischer Entwicklungen und die gemäßigte Ereignisfrequenz früherer Jahre vermissen, doch lassen sich damit heutige Ansprüche nicht mehr erfüllen.
Dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, wie enorme Ressourcen zum Ausgleich von Abgrenzung und Uneinigkeit eingesetzt werden. Und statt uns die gewünschte Vereinfachung zu bringen, erreicht diese Abgrenzung genau das Gegenteil.
Vielleicht sollten wir uns eine einheitliche Umsatzsteuer in Europa wünschen, aber vielleicht ist auch das zu einfach.

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