Sozialer Wohnungsbau wird steuerlich begünstigt

24. June 2016

Her mit den schönen Häusern

Während sich in Madrid die Geisterviertel nur zögerlich wieder mit Leben füllen, beklagt die Bundesregierung in Deutschland einen Wohnungsmangel. Dem wird nun mit einem Konzept begegnet, dass den Mietwohnungsneubau fördern soll. Die Förderung besteht in besonders attraktiven, aber zeitlich befristeten Abschreibungsmöglichkeiten. Der Terminus „Förderung“ ist allerdings, selbst bei großzügiger Interpretation, falsch. So wie es im eigentlichen Sinn keine Förderung des Busverkehrs ist, nicht in den Bus einzusteigen um weniger zu transportierendes Gewicht im Bus für eine bessere Performance des Busses zu erzeugen, ist natürlich auch ein Steuervorteil keine Förderung, sondern bestenfalls ein Anreiz. Die Deklaration als Förderung klingt aber ganz bestimmt nach mehr, also wollen wir Herrn Schäuble diese Nomenklatur nicht verwehren.
Der besagte Wohnungsmangel ist eher in Städten zu finden, und so ist die Förderung neben der zeitlichen Befristung auf ausgewiesene Fördergebiete beschränkt, die sich den Bedingungen nach besonders in Stadtgebieten finden sollten.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Förderung wird die Obergrenze von 3000,- € Baukosten/m2, von denen maximal 2000,- €/m2 durch Steuererleichterungen „gefördert“ werden.
Diese Grenze regt an, sich nach dem Ziel der Maßnahme zu erkundigen. Wenn gerade hochpreisige Gegenden durch 3000,- €/m2-Bauwerke ergänzt werden, fördert das zwar ohne Frage die gesellschaftliche Inklusion verschiedener Einkommensschichten, wird aber dort, wo Ästhetik nicht nur den Anwohnern, sondern auch der Stadt wichtig ist, sicher auf Herausforderungen stoßen.
Aus einer ganz anderen Richtung kommen die lobenswerten Bemühungen der KfW, die das ökonomische Wohnen mit Erfolg auf ein ganz neues Level heben konnte, allerdings nicht für 3000,- € Baukosten/m2. Innerhalb dieses Etats wird ein Energiesparhaus ohne den steuersparenden Einsatz von Schwarzarbeitern nicht umzusetzen sein und so wird ein zur Zeit vorrangiges Ziel des Wohnungsbaus, nämlich die Energieeffizienz, nicht nur vernachlässigt, sondern sogar ausgeschlossen.
Die Billigwohnungsneubau-Förderung hat billiges Wohnen zum Ziel. Dafür gibt es dann billige Mieten und hohe Nebenkosten in schöner Wohnlage. Fast so wie in manchem Altbau, nur ohne Stil.
Falls Ihnen das attraktiv erscheint: Der Bauantrag muss bis 2018 gestellt sein oder der Bau muss zwischen 2016 und 2018 begonnen werden. Die „Förderung“ gilt nur in dafür ausgewiesenen Gebieten und wie schon beschrieben bis zu Baukosten von 3000,- €/m2. Letzteres sollte man mit etwas Reserve planen, falls der Bau ganz unerwartet teurer wird als geplant.

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