Neue Anforderungen an Registrierkassen ab 2017

26. February 2016

Eins nach dem anderen

Eigentlich wäre es schön, wenn Amazon für in Deutschland erzeugte Umsätze auch die entsprechenden Steuern abführen würde. Das ist aber nicht der Fall und so stehen Milliarden von Euro eben nicht für Ausbildung oder andere dringende Agenden zur Verfügung. Zum Glück haben Staat und Finanzamt eine Alternative ausgemacht, wo sie die im Umgang mit Amazon fehlende Strenge umfassend ausleben können: Beim Einzelhandel.
Jeder, der eine Registrierkasse hat, ist bereits seit 2011 verpflichtet, diese gemäß Anforderungsliste des Finanzamts auszurüsten. Bis Ende 2016 gibt es noch eine Übergangsfrist, falls für das verwendete Kassensystem eine entsprechende Aufrüstung nicht verfügbar ist.
Ab 1.1.2017 gibt es keine Ausnahme mehr.
Eine Kasse muss:

  • gegen Manipulation gesichert sein
  • alle Daten und Protokolle unkomprimiert und unveränderbar speichern
  • die Daten les- und maschinenauswertbar speichern
  • ein Protokoll über alles, was eingetippt wurde, lesbar speichern
  • alle Daten in gängigen Formaten speichern
  • Updates protokollieren
  • alle Daten mindestens 10 Jahre aufbewahren
  • eine zertifizierte digitale Signatur ausgeben

Eine Schubladenkasse mit handschriftlichem Protokoll wäre die Alternative, die wir allerdings nicht empfehlen und die in den meisten Fällen auch unpraktisch wäre.
Weil der deutsche Einzelhandel trotz des partiellen Einsatzes alter Kassen sogar jetzt schon Steuern zahlt – wahrscheinlich in ähnlichem Umfang wie nächstes Jahr mit den neuen Kassen – und gleichzeitig gegen den steuerbevorteilten Global Player Amazon antreten muss, ist in vielen Fällen die nicht unerhebliche Investition für eine entsprechende Kasse aufgeschoben worden. Nun hat ein wahrer Run auf neue Kassen eingesetzt und es gibt Einschätzungen, die von massiven Lieferengpässen im Verlauf des Jahres ausgehen.
Dem Finanzamt ist traditionell egal, ob äußere Umstände, in diesem Fall Lieferschwierigkeiten, eine Compliance unmöglich machen. Erfüllt Ihre Kasse ab 2017 nicht die Anforderungen des Finanzamts, müssen Sie mit nicht verhandelbaren Zuschätzungen rechnen. Deswegen ist dringend zu empfehlen, sich rechtzeitig um ein entsprechendes Kassensystem zu kümmern, was konkret bedeutet: JETZT!
Natürlich braucht Amazon keine Registrierkassen. Wozu auch – sogar mit Registrierkassen müsste das Unternehmen kaum angemessene Steuern zahlen1.
Und wenn das Finanzamt dann sichergestellt hat, dass ihm unter keinen Umständen auch nur ein Cent aus dem Einzelhandel durch die Lappen geht, kann es ja noch mal einen prüfenden Blick auf die fehlenden Steuer-Milliarden von Amazon werfen.

1 abgesehen von der Umsatzsteuer

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