Fehlerhaft ausgestellte Rechnungen

18. October 2016

Ungewohnt sinnvoll

Korrekte Rechnungen sind der Kern jeder Buchhaltung. Damit das Finanzamt eine Rechnung auch erkennt, hat es ein paar sehr ordentliche Regeln aufgestellt, die die Rechnung als solche qualifizieren. Diese Regeln sind völlig unverständlich im §14 Abs. 4 UStG formuliert. Das führt wohl dazu dass sie gelegentlich nur teilweise den Weg ins Rechnungslayout finden.
Ein kurzes Telefonat oder eine eMail reicht meist, um vom Rechnungsgeber einen Korrekturbeleg zu bekommen.
Manchmal – eigentlich sogar recht häufig – fällt das Problem jedoch erst auf, wenn ein Prüfer darauf stößt. Und das kann Jahre nach dem Ausstellungsdatum der Rechnung sein. Kommt ein Prüfer zum Beispiel 2016 ins Haus und reklamiert eine Rechnung von 2011, so wird er den damals gewährten Vorsteuerabzug zurückverlangen. Und zwar mit Zinsen von 6% p.a., ungeachtet der Zinsentwicklung.
Rechnungen dürfen zum Glück grundsätzlich korrigiert werden, nur waren die Bedingungen bisher unklar. Nun hat der Europäische Gerichtshof – ungewohnt sinnvoll – entschieden, dass auch nach längerer Zeit die Vorlage eines Korrekturbelegs zum erneuten Vorsteuerabzug – ebenfalls mit Zinsen – berechtigt. Tatsächlich hat er dabei gar kein Zeitlimit angegeben. Das ergibt sich dadurch folgerichtig aus dem Prüfungszeitraum. Im vorliegenden Fall kann sich wegen unterschiedlicher Gültigkeitsphasen der Zinsberechnung sogar ein Zinsvorteil für den Rechnungsempfänger ergeben.
Der Europäische Gerichtshof hat außerdem angemerkt, dass das Finanzamt gehalten ist, bei mangelnder Einhaltung der Regeln auch aus anderen Hinweisen als nur der Rechnung eine Rechtmäßigkeit abzuleiten. Zwar müssen ihm diese Hinweise ggf. in Form von entsprechenden Belegen vom Rechnungsempfänger vorgelegt werden, aber immerhin wird etwas die Strenge aus dem Thema genommen und mehr Wert auf eine Bewertung mit Verstand und auch Verständnis gesetzt. Das passt zum Bestreben der Entbürokratisierung und ist ein gutes Zeichen. Dennoch sollte es nicht zur Leichtfertigkeit verführen. Eine korrekt ausgestellte Rechnung ist immer noch der beste Weg, Diskussionen zu vermeiden.
Falls Ihre Buchhaltung bei uns betreut wird, ergibt sich das Problem später Korrekturen in der Regel ohnehin nicht, denn wir achten schon bei der Buchung auf korrekte Rechnungen und melden uns sofort, falls ein Korrekturbeleg erforderlich wird.
Übrigens: Nach Möglichkeit soll eine bemängelte Rechnung immer mit einem Korrekturbeleg ergänzt werden, um steuerrechtlich einwandfrei zu sein. Das Löschen und Neuausstellen der Rechnung ist nach wie vor nicht im Sinne des Gesetzes und sollte unbedingt vermieden werden.

Diese Rechnung ist
Simplicity at its best,
aber für einen gültigen Vorsteuerabzug doch knapp an den Vorstellungen des Finanzamts vorbei.
Lobend zu erwähnen ist, dass die Zahlen lesbar sind!

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