Faktorverfahren bei Ehegatten

26. February 2016

Der kleinste gemeinsame Faktor

Gewöhnlich heiratet man aus Liebe und der Einschätzung, dass das Leben gemeinsam reicher und wertvoller sein wird. Und manchmal vielleicht auch ein ganz kleines bisschen, weil es Steuern spart. Diese Ersparnis ergibt sich aus der im Allgemeinen zu empfehlenden gemeinsamen Veranlagung, dem Ehegatten-Splitting. Beide Gehälter werden addiert, das Ergebnis halbiert, besteuert und wieder verdoppelt. Theoretisch ist auch eine Einzelveranlagung möglich, aber selten von Vorteil.
Das Nettogehalt ist grundsätzlich u.a. abhängig von der Steuerklasse. Gerne wird die Steuerklassenkombination III/V gewählt (ca. 99% aller Ehepartner), bei der eine größere relative Steuerlast auf dem niedrigeren und eine geringere auf dem höheren Einkommen liegt. Nimmt das höhere Gehalt mehr als 60% des gemeinsamen Gehalts ein, ergibt sich in der Summe ein höheres Nettogehalt als bei Wahl der Steuerklassen IV/IV. Soweit scheint es sinnvoll, sich für die III/V-Kombination zu entscheiden. Genaueres Hinsehen offenbart aber umfängliche Nachteile.
Vorab sei gesagt: Die Wahl der Steuerklasse hat keinen Einfluss auf die tatsächliche Steuerlast, die am Ende des Jahres berechnet wird. Sie dient nur der Berechnung von monatlicher Steuerlast und Nettolohn.
Wurden nun im Verlauf des Jahres zugunsten eines hohen Nettolohns weniger Steuern gezahlt, müssen diese nachgezahlt werden, was häufig der Fall und stets unerfreulich ist. Außerdem berechnen sich Lohnersatzleistungen aus dem Nettolohn. Wenn der Ehepartner mit dem geringeren Gehalt in Elternzeit geht und im Vorjahr wegen der Wahl der Steuerklasse V ein besonders niedriges Nettogehalt bekam, dann fällt auch das Elterngeld niedriger aus. Andererseits ist die Steuerklasse IV wegen der höheren monatlichen Abzüge nicht sehr attraktiv und führt in der Regel zu einer zu hohen Steuerlast. Auch hier wirkt sich das ungünstig auf die Nettolohnsituation aus und erzeugt zu allem Überfluss auch noch eine hohe monatliche Belastung. Da tröstet es wenig, wenn es am Jahresende eine Rückzahlung gibt.
Es ist ziemlich offensichtlich, dass beide Steuerklassenkombinationen bedenkliche Schwächen haben. 2010 bot das Finanzamt erstmals eine weitere Wahlmöglichkeit an: Das Faktorverfahren. Es basiert auf der Wahl der Steuerklassenkombination IV/IV, errechnet aber aus dem Verhältnis des Splittingtarifs zur Lohnsteuerklasse IV einen Faktor, mit dem die Steuerzahlung multipliziert wird. Der Faktor ist in der Regel kleiner als 1, was die errechnete Lohnsteuer senkt. Wenn man sich die Rechnung ansieht, kann man erkennen, dass sich fast das Ergebnis der zu erwartenden Steuerlast aus dem Splitting-Verfahren ergibt, das am Ende des Jahres zur Lohnsteuerberechnung zugrunde gelegt wird. Das ist durchaus zweckdienlich, denn es kommt kaum zu einem Zahlungsausgleich am Ende des Jahres und es ergibt sich ein ausgeglichener Nettolohn. Verglichen mit der Steuerklassenkombination III/V ist das gut für Lohnersatzzahlungen des geringeren Gehalts, nicht so gut jedoch für die des höheren Gehalts. Statistisch sind es aber die geringeren Gehälter, die mehrheitlich durch Lohnersatzzahlungen aufgefangen werden.
Bis zum 30. November jeden Jahres muss die Wahl der Steuerklasse für das Folgejahr übermittelt sein. Es lohnt sich, ein paar Minuten in die Jahresplanung zu investieren, um die richtige Wahl zu treffen. Falls keine besonderen Umstände den Klassiker von III/V empfehlen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Faktorverfahren die beste Wahl ist.

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