Gültigkeit von Rechnungsadressen bei Vorsteuerabzug

03. December 2015

Postfach mit Bürofunktion

Es liegt wohl der Gedanke zugrunde, dass handelsübliche Postfächer nicht über ausreichend Platz für eine Büroeinrichtung verfügen, teilweise nicht einmal elektrische Anschlüsse anbieten. Jedenfalls hat der Bundesfinanzhof in einer kürzlich getroffenen Entscheidung erklärt, dass er nicht gewillt ist, eine Rechnung für Lieferungen mit einer Postfachadresse als vorsteuerabzugsberechtigt zu bewerten. Bestellungen, wie z.B. einem Paket Kopierpapier, könnte die Vorsteuerabzugsberechtigung fehlen, wenn die Anschrift die Postfachadresse des Unternehmens ist. Das Gleiche gilt übrigens für eine zentrale Großhandelsadresse.
Eigentlich widerspricht das bis dahin geltender Rechtsprechung und so richtig verständlich klingt es auch nicht, denn letztlich ändert es kaum die Fakten.
Ein Postfach schafft Ordnung und Zuverlässigkeit in der postalischen Kommunikation. Postfächer sind immer erreichbar, alle Post wird zentral gesammelt und verstopft zudem auch nicht unnötig das Postfahrzeug, was besonders erfreulich ist, wenn dieses Postfahrzeug ein Fahrrad ist.
Natürlich wird das auf der Rechnung aufgeführte Kopierpapier in dem zum Postfach gehörenden Büro eingesetzt werden, genau so, als stünde die Büroadresse auf der Rechnung.
Der Bundesfinanzhof ist hier jedoch ohne Einsehen und legt den Ort der geschäftlichen Aktivitäten als einzig gültige Rechnungsadresse fest.
Fortan ergeben Postfächer also nur noch für populistische Politiker oder Serienstars Sinn, um Fanpost abzufangen. Firmen, die Postfächer gerade wegen der Vielzahl an Rechnungseingängen haben, werden bei strenger Auslegung der Richtlinie keine Verwendung mehr dafür haben.
Zum Glück ist die Natur dieser Entscheidung nicht ohne die Möglichkeit der Umkehr. Gerade recht kommt hier eine Entscheidung des Finanzgerichts Köln. Das hat kürzlich der Einschätzung des Bundesfinanzhofs widersprochen und ausgeführt, dass das sich ändernde Geschäftsgebahren und der technische Fortschritt eine Großhandelsadresse oder ein Postfach als Rechnungsanschrift rechtfertigen.
Außerdem war dem Finanzgericht die Definition „Ort der geschäftlichen Aktivitäten“ zu diffus. Dem ist unbedingt zuzustimmen, denn erstens ist der Empfang von Post durchaus eine geschäftliche Aktivität und zweitens möchte der Bundesfinanzhof sicher nicht die Adresse „Fischmarkt Hamburg“ als Empfangsadresse für 100 kg Barsch zu lesen wissen, auch wenn die geschäftliche Aktivität des Fischhändlers größtenteils auf dem Hamburger Fischmarkt stattfindet.
Für den Augenblick ist es dennoch sicherer auf eine Rechnungsadresse zu bestehen, die möglichst dem Geschäftsort entspricht.
Sollte sich später die Entscheidung des Kölner Finanzgerichts durchsetzen, legen wir Ihnen selbstverständlich ein Memo dazu ins Postfach.

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