Reverse Charge - $13b UStG

05. December 2014

Messer, Gabel, Schere, …

Im letzten Watchdog haben wir darüber berichtet: Das Reverse Charge Verfahren (Übergang der Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger) oder „Matrjoschka“, wie wir es nannten. Der Hintergrund ist das Bestreben des Staates, nicht Umsatzsteuer zu erstatten, die dann vom Auftragnehmer nicht abgeführt werden. Dort, wo zwischen Auftraggeber und -nehmer schon klar ist, dass es sich um ein umsatzsteuerneutrales Geschäft handelt, weil die vom Auftragnehmer vereinnahmte Umsatzsteuer in gleicher Höhe vom Auftraggeber abgesetzt wird, verhindert das Gesetz, dass überhaupt Geld fließt.
In unserem Bericht aus dem letzten Watchdog haben wir die Umstände die Bau- und Gebäudereinigungsbranche betreffend beschrieben. Das war der informative Teil. 
Nun folgt der lustige Teil, der §13 b, die Erweiterung dieser Steuerschuldnerschaft.
Hier werden weitere Produkte definiert, die dem Reverse Charge Verfahren unterworfen werden. Noch harmlos scheinen dabei Artikel wie z.B. Tablet PCs, sobald die Rechnung für mehrere davon einen Wert von 5000,-€ überschreitet. Unglücklicherweise ist der Begriff des Tablet PCs nicht näher definiert, was eine gewisse Rechtsunsicherheit schafft. Doch es wird noch amüsanter. Zuvor sei aber schnell noch angemerkt, dass das Reverse Charge Verfahren nur gilt, wenn der Käufer Unternehmer ist oder für ein Unternehmen kauft. In erstem Fall gilt es allerdings auch dann, wenn er für sich privat einkauft.
Aber jetzt: Auf der erweiternden Liste, die der §13 b definiert, sind z.B. Metalle aufgeführt, sobald sie einen Durchmesser von 0.15 mm überschreiten. Das tut z.B. Alufolie, die zwar sehr dünn ist, aber im Durchmesser eben dennoch über dem Grenzwert liegt.
Wenn Sie also ein Unternehmer sind, den Einkauf für das Wochenende im prall gefüllten Einkaufswagen samt einer Rolle Alufolie gekonnt an die Kasse des Supermarktes manövrieren, dann bekommen Sie ab 2015 für diese Rolle Alufolie von der Fachkraft an der Kasse eine separate Rechnung über die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers. Das wäre dann ein guter Augenblick für ein paar versöhnende Worte für diejenigen, die sich hinter ihnen an der Kasse eingereiht haben.
Zu Hause angekommen melden Sie die Umsatzsteuer beim Finanzamt, die Sie dann natürlich dennoch abführen müssen, denn die Alufolie ist ja für private Zwecke gedacht.
Um nicht versehentlich Fehler beim Umgang mit dieser Erweiterung zu machen, muss ein Plan her, wie mit den Änderungen aus dem §13 b umzugehen ist. Zuerst sollten Sie untersuchen, ob Sie Unternehmer sind. Das wären Sie z.B., wenn Sie ein Haus besitzen und umsatzsteuerpflichtig vermieten, außerdem natürlich, wenn Sie in irgendeiner Weise unternehmerisch tätig sind, nicht jedoch, wenn Ihr Unternehmen eine Gesellschaft ist. 
Wenn Sie unternehmerisch tätig sind oder in Erwägung ziehen, für ein Unternehmen Dinge aus Metall zu kaufen, sollten Sie sich ausgiebig mit Materialkunde auseinandersetzen um beurteilen zu können, wann ein Produkt unter die Erweiterung fällt. Ein Schraubenzieher etwa, eine Zange, ein Topf, Messer, Gabel… Kugelschreiber müssen Sie zukünftig aufschrauben um zu sehen, ob die Mine aus Stahl oder Kunststoff ist – und was ist mit der Kugel und der Feder?… es kann mühselig werden an den Kassen Deutschlands. Genervte Unternehmer werden sicher Videokameras an den Kassen installieren, um eine neue Vimeo oder YouTube Sparte mit sogenannten Reverse Charge Eskalations Videos zu starten.

Wir hatten überlegt, aus der ganzen Liste ein Gedicht zu machen, das Sie dann lernen und beim Einkauf leise aufsagen könnten, um sich an die betroffenen Materialien zu erinnern, aber wir haben etwas anderes gemacht, etwas viel besseres: Wir haben uns an die Regierung gewandt und auf die etwas unglückliche Gesetzesgestaltung hingewiesen.
Die Antwort, die wir kürzlich bekamen, lässt hoffen, dass rechtzeitig vor dem endgültigen Inkrafttreten zum Jahreswechsel eine Änderung vorgenommen wird, die längeren Staus an den Kassen entgegenwirkt. Im nächsten Watchdog werden wir sicher mehr dazu sagen können. Sollte es nicht geklappt haben, denken wir noch einmal über das Gedicht nach.

alurolle.jpg
Die Beiträge ersetzen keine Steuerberatung oder ein persönliches Gespräch. Bitte beachten Sie, dass sich in Abhängigkeit des Datums der Veröffentlichung unserer Beiträge, Gesetze geändert haben können und so unsere Kommentare und Informationen bereits überholt sein können.

Kanzlei für Steuerberatung PartG mbB
info@dassteuerhaus.de

Segeberger Str. 1 · 23617 Stockelsdorf
Tel. 0451 - 7 99 26 - 0

Untere Straße 11 · 23968 Gägelow
Tel. 03841 -62 82 - 0