02. May 2012

Technik im Einsatz gegen Steuersünder

Ob sich ein Steuerprüfer oder gar Steuerfahnder für einen Besuch ankündigt, hängt vom Ergebnis einer Betrachtung ab, die verschiedene Parameter berücksichtigt. Einen wichtigen Hinweis liefert die sogenannte Verprobung.
Die Verprobung wird als Mittel zur Einschätzung von Umsatz und Steuerschuld eingesetzt und war bisher ein manuell ausgeführter Prozess, der äußerst langwierig war. Die Ressourcen, die an dieser Stelle investiert werden mussten, konnten dann nicht für die eigentliche Steuerprüfung eingesetzt werden. Nach Einführung der elektronischen Steuererklärung und vor allem nach neuen Regelungen, die eine wesentlich detailliertere Bilanz von den Unternehmen fordern, findet die Verprobung in Zukunft auf Knopfdruck fast völlig automatisiert statt. So können ganze Branchen vom Computer unter die Lupe genommen werden. Diejenigen Unternehmen, die bei dieser Prüfung auffällig werden, sind dann automatisch im Visier der Prüfer.
So eine Verprobung kann zum Beispiel folgende Betrachtung ausführen: Ein Gastronom kauft 2 kg Kaffee/Woche. Eine Tasse hat daran einen Bedarf von 7 g. Das ergibt einen möglichen Erlös von 285 Tassen. Wurden aber nur 150 Tassen abgerechnet entsteht der Verdacht, dass hier die Differenz zugunsten des Unternehmers steuerfrei vereinnahmt wurde – wenn man es höflich ausdrücken möchte. Diese simple Logik ist eine Verprobung und es ist wahrscheinlich, dass das Verprobungsergebnis einen Hinweis darauf liefert, ob der Aufwand der Prüfung das zu erwartende Ergebnis rechtfertigt. Schließlich muss auch ein Steuerprüfer betriebswirtschaftlich arbeiten.
Der für diese Prüfung notwendige Mehraufwand wird nämlich keineswegs vom Finanzamt, sondern vom Steuerzahler getragen. Die neuen automatisierten Verprobungsverfahren erfordern eine viel detailliertere Aufstellung der Kosten. So fordert das Finanzamt zum Beispiel die Art einer Einnahme zu spezifizieren. Sprüht ein Friseur Haarspray zur Stärkung der Frisur in das Haar einer Kundin, so kann das Haarspray als sogenannte Kabinettware angerechnet werden. Eine gesonderte Einnahme findet ja nicht statt. Möchte aber die Kundin noch eine Dose Haarspray mit nach Hause nehmen, so ist diese Dose Verkaufsware und muss gesondert angegeben werden. Der Aufwand in der Buchhaltung steigt durch Unterscheidungen dieser Art erheblich, so dass Buchhalter und auch Steuerberater deutlich höhere Aufwendungen werden in Rechnung stellen müssen, um diese Informationsmehrleistung erbringen zu können.

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