Kindergeldverlängerung

03. February 2012

25 und noch immer Kind

Wir rücken dem Paradies Stück für Stück näher. Ab 2012 gilt:
Wer bis zum Alter von 25 Jahren weniger als 20 h/Woche arbeitet – zum Beispiel als Nebenerwerb während des Studiums – gilt ohne Einkommensprüfung immer noch als Kind und ist damit berechtigt Kindergeld zu beziehen. Ferienjobs, auch wenn hier die 20 Stunden-Grenze überschritten wird, werden gar nicht mehr berücksichtigt.
Das hört sich nach einer nur kleinen Änderung an, bleibt ansonsten doch alles beim Alten.
Bedeutsam ist diese Entscheidung aber vor Allem schon mal bei der Beurteilung der Kindergeldberechtigung. Während es bei der bisher geltenden Einkommensgrenze von 8004,- EUR/Jahr immer wieder zu fehlerhaften Einschätzungen kam – Stipendien oder Einkünfte aus Kapital- oder Mieterträgen sowie abziehbare Kosten sind Parameter die berücksichtigt werden müssen – gilt jetzt nur noch ein Wert als ausschlaggebend: die wöchentliche Dauer der Beschäftigung. Diese Vereinfachung ist sehr zu begrüßen, weil sie genau das erzeugt, was wir uns grundsätzlich wünschen: Planbarkeit.

Dennoch ist Vorsicht geboten: Die Regelung der Krankenkassen ändert sich in dem Zusammenhang nicht. Wenn die monatlichen Einkünfte über 360,- EUR liegen kann die kostenlose Mitversicherung in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkasse erlöschen und eine freiwillige Krankenversicherung notwendig werden.

Ob sich die Änderung der Kindergeldberechtigung gesamt politisch auswirken wird, bleibt abzuwarten. Für Studenten, die abends kellnern oder 20 Stunden pro Woche bei ihrem Professor arbeiten um sich während des Studiums schon etwas mehr leisten zu können als nur ein gebrauchtes Fahrrad, ist das in jedem Fall eine gute Nachricht. Bisher wurde ab dem 18. Lebensjahr das Einkommen des „Kindes“ geprüft und für die Festlegung des Kindergeldes herangezogen, auch wenn das Kind in der Ausbildung ist. Die neue Regelung, darf man annehmen, motiviert sicher etwas mehr schon während der Ausbildung etwas hinzu zu verdienen.

Allgemein dürfen Sie annehmen, dass Kindergeld dann zusteht, wenn Ihr Kind:
· unter 26 Jahre alt ist
· in einer Ausbildung ist oder beim Arbeitsamt als ausbildungssuchend gemeldet ist
· weniger als 20 h / Woche arbeitet

Doch das Paradies kennt auch Grenzen.
Während für das Kindergeld eine Entscheidung mit Signalwirkung zugunsten einer Vereinfachung und besseren Förderung engagierter Jugendlicher getroffen wurde gibt es eine weitere Entscheidung für dieses Jahr, die nur scheinbar wegweisend ist:
Die Erweiterung des für die Erstausbildung anzurechnenden Betrags wurde von 4000,- EUR/Jahr auf 6000,- EUR/Jahr erhöht. Das hört sich erst mal gut an. Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass der Auszubildende davon etwas hat. Es wäre schon ein großer Zufall, wenn eine Ausbildung statt 4000, EUR/Jahr nun 6000,- EUR/Jahr kosten würde. Ein Studium der Betriebswirtschaft oder des Maschinenbaus wird deutlich unterhalb beider Grenzen bleiben. Doch wie steht es um den Kindheitstraum vieler Schulabsolventen? Früher war es der Lokführer heute der Pilot. Eine Ausbildung zum Flugkapitän, die mit Hilfe eines Bankdarlehens auf eigene Faust begonnen wird, kostet um die 120.000,- EUR von denen dann bei einer Ausbildungsdauer von zwei Jahren 12.000,- EUR abzugsfähig sind. Da der Betrag auch nicht mit in das nächste Jahr genommen werden kann, sind 90% der Ausbildungskosten für die Steuererklärung in diesem Fall verloren.
An der Stelle wird noch etwas Anderes zu berücksichtigen sein: Eine Ausbildung ist eine Sonderausgabe und darf nur in dem Jahr abgezogen werden, in dem die Kosten beglichen wurden (Zufluss – Abfluss Prinzip). Da aber im Zweifel von gar keinen Einnahmen während einer solchen Ausbildung auszugehen ist, gibt es nichts mit denen die 6000,- EUR/Jahr verrechnet werden können. Somit sind vor der Steuererklärung in diesem Fall 100 % der Kosten verloren. In jedem Fall ist die Erweiterung dieser Grenze zwar löblich, wird aber im Säckel des Finanzamts sicher keine bemerkenswerte Lücke reißen.
Wer doch eine Lücke reißen möchte, sollte die teure Ausbildung zur Zweitausbildung machen. Werden Sie also erst Bäcker und dann Pilot. So sind alle Ausgaben für den Flugschein keine Sonderausgaben und keine Erstausbildungskosten mehr und können bedenkenlos in voller Höhe abgesetzt werden!

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