11. July 2012

Die elektronische Bilanz

Eigentlich müsste es ja heißen: digitalisierte Bilanz. Die Abkürzung e-Bilanz schien wohl gefälliger als das Kürzel: d-Bilanz, oder man wusste einfach nicht, dass Elektronik nur ein Fachgebiet der Computer- und Softwaretechnik ist. Aber daran soll man sich natürlich nicht aufhalten.
Ob „e“ oder „d“, diese neue Form der Bilanzerfassung ist ein neuer Abschnitt in der Historie der Steuergeschichte, den es zu beachten gilt. Über einen Aspekt der Auswirkung haben wir schon im Watchdog 2|12 berichtet: die automatisierte Verprobung.
Die Projektphase der e-Bilanz, in deren Verlauf in engerer Zusammenarbeit mit ausgewählten Unternehmen die Software bereits in den Status „Beta-Version“ gebracht wurde, ist bereits abgeschlossen und wir befinden uns in der Testphase. Die Teilnahme ist freiwillig. Ab 2013 soll auch diese Phase abgeschlossen und die Steuerabschlüsse in jedem Fall auf elektronischem Weg abzugeben sein.
Um die Reaktion von Unternehmen auf diese wahrhaft gravierende Änderung der Erfassung von steuerlich relevanten Angaben so gut wie möglich abzufedern, wird in der Paketbeschreibung gleich eine ganze Liste von großartigen Vorteilen für Unternehmen mitgeliefert. So wird die e-Bilanz als Mittel der Entbürokratisierung und als phantastische Gelegenheit, doch mal die eigene Buchhaltung neu zu überdenken, angepriesen.
Auch werden viele Details benannt, die die e-Bilanz als mittelstandsfreundlich ausweisen sollen. So viel „Benutzerfreundlichkeit“ sind wir vom Finanzamt gar nicht gewohnt und ein genauer Blick auf die e-Bilanz enthüllt dann auch eine ganz andere Sicht auf das Thema.
Neben dem eigentlichen Umgang mit der XBRL (eXtensible Business Reporting Language) Software ist der wesentliche Unterschied zum Status Quo die viel detailliertere Auflistung von Verwendungszwecken, um die steuerliche Einschätzung zu verbessern. Weil wir grundsätzlich bei der Einschätzung ohne detaillierte Zusatzinformation immer den für den Mandanten günstigeren Fall annehmen, ist das allerdings wohl eher eine Verbesserung zu Gunsten des Finanzamts. Man könnte argumentieren, dass mehr Details eine größere Fairness ermöglichen, muss sich aber die Frage nach der Effizienz gefallen lassen. Der Grad der Detaillierung in der e-Bilanz gegenüber den herkömmlichen Taxonomien (Erfassungsschemata) ist so gewaltig, dass für etwas mehr Fairness ein bedeutender Mehraufwand ins Haus steht.
Das Finanzamt bekommt als Folge der elektronischen Erfassung einen Datensatz, der sich vollständig automatisiert interpretieren lässt. Abweichungen von der Norm fallen sofort auf (siehe Artikel: Verprobung im Watchdog 2|12) und können dann gezielt überprüft werden. Entbürokratisierung stimmt also insofern, als dass das Finanzamt weniger Arbeit für die Vorbereitung ihrer Außenprüfungen leisten muss.
Auf Seiten der Unternehmen kommen auf Buchhaltung und Steuerberater erhebliche strukturelle Änderungen zu, die notwendig sind, um sich dem veränderten „Workflow“ bei der Erstellung der e-Bilanz anzupassen. Die zusätzliche Menge an Daten, die abgefragt wird, erzeugt auch nach der Umstellung deutlich mehr Kommunikationsaufwand zwischen Mandant und Steuerberater und erheblich mehr Buchhaltungsaufwand. Die Transparenz von internen Vorgängen erhöht sich für das Finanzamt.
Wie gehen wir also damit um? Es gibt Stimmen, die nicht nur wegen der zunehmenden Vergläserung von Menschen und Unternehmen massive Bedenken äußern. Es steht auch die Frage im Raum, ob die Testphase als Ergebnis ein funktionierendes System liefert, oder ob ganz Deutschland danach in eine neue dauerhaftere Testphase gedrängt wird. Wenn man bedenkt, dass z.B. die Polizei in Schleswig-Holstein 8 Jahre auf die Funktion Copy&Paste für ihre Polizeiberichtssoftware warten musste, ist ein vorsichtiger Pessimismus durchaus verständlich.
Für einen klaren Weg im Umgang mit der e-Bilanz scheint uns jedoch nur ein Punkt relevant: XBRL ist das Format der Zukunft und ob es nun gut oder schlecht ist: der geschulte Umgang damit und eine effiziente Struktur in der Buchhaltung sind der richtige Weg, dieser Veränderung entgegenzutreten.
Einen Vorteil gibt es dabei dann zu guter Letzt doch noch: Solange Ihr Unternehmen bei der Bilanz unauffällig ist, wird sicher kein Steuerprüfer an Ihre Tür klopfen.

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